Europa im Mittelalter

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A

Alexander V.: Gegenpapst (Pisa); hieß eigentlich Pietro Philargi von Candia; lebte von 1340-1410; wurde 1409 vom Konzil von Pisa als Gegenpapst gewählt; war nur Papst für 1 Jahr.

Alfons II.: König von Asturien; lebte von ca. 761-842; wurde 791 zum KÖnig gekrönt; Sieg bei Lugo und Eroberung Lissabons; nach kurzer Haft 808 zurück an die Macht; Kampf gegen Araber; Gründung des Wallfahrtsortes Santiago de Compostela; keine Nachkommen; auch „der Keusche“ genannt.

Alfons III.: König von Asturien; lebte von 848-910; ab 866 König; machte die Stadt Leon zu seiner Residenz; Eroberung von Navarra; Kampf gegen das Emirat von Cordoba; Herrschaft war geprägt von Expansionspolitik des Königs; wurde von seiner Gattin und seinen Söhnen zur Abdankung gezwungen und ging 910 ins Exil.

B

Benedikt XIII.: Gegenpapst; hieß eigentlich Pedro Martínez de Luna y Gotor; lebte von 1342-1423; wurde 1394 zum Gegenpapst ausgerufen (clementistisches Lager); rief gemeinsam mit seinem Gegner in Rom zum Kreuzzug auf; wurde am Konzil von Konstanz als Papst abgesetzt.

Burgunder: germanischer Stamm; siedelte sich ab 413 am linken Rheinufer an; Machtzentrum wurde Worms; 534 erlosch das Reich der Burgunder und wurde in den merowingischen (fränkischen) Machtbereich eingegliedert; Burgunderkönig Gundahar war das historische Vorbild von König Gunther im Nibelungenlied.

C

Childerich III.: regierte von 743-751; letzter König der Franken aus dem Geschlecht der Merowinger; wurde von Pippin dem Jüngeren entmachtet und ins Kloster abgeschoben.

Clemens VII.: Gegenpapst; hieß eigentlich Robert Graf von Genf; lebte von 1342-1394; geistliche Karriere, während der er brutal gegen papstfeindliche Aufstände vorging; wurde 1378 zum Gegenpapst von Urban VI. gewählt; residierte in Avignon; erklärte, dass das berühmte Turiner Grabtuch keine Reliquie sei.

D

Dante Alighieri: ital. Dichter; lebte von 1265-1321; stammt aus Florenz; gehörte der antipäpstlichen Partei an; wurde 1302 verbannt und zog umher; lebte seit 1320 bis zu seinem Tod in Ravenna; verfasste viele Werke, aber das berühmteste ist sicher die Divina Commedia (Göttliche Komödie); darin beschreibt er seine Wanderung durch Hölle, Läuterungsberg und Paradies hin zu Gott, geleitet wird er dabei von dem antiken Dichter Vergil sowie seiner Jugendliebe Beatrice

E

Edward der Bekenner (engl. Edward the Confessor): engl. König; lebte von 1004-1066; war ein Angelsachse und kam 1042 nach einigen Wirren auf den Thron; Herrschaft ist geprägt von Spannungen mit dem Adel sowie Konflikte mit Dänemark; die Ernennung seiner Schwagers Harold Godwinson führte zum Streit mit dem Normannenherzog Wilhelm dem Eroberer; nach seinem Tod als Heiliger verehrt.

Erik „der Rote“ Thorwaldson: lebte von ca. 950-1003; Familie stammte aus Norwegen; wurde für ein Verbrechen aus Island verbannt; machte sich in den Westen auf und erreichte die Küste Grönlands; dadurch wird die Besiedlung der Insel von Island aus eingeleitet

F

Franken: Zusammenschluss aus mehreren germanischen Stämmen; kamen aus dem Rhein-Weser-Gebiet; Name bedeutete die „Kühnen“ oder „Tapferen“; traten um 500 zum Christentum über; gründeten ihr Reich auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs; der erste König der Franken gilt für die Franzosen als Begründer ihrer Nation

G

Gregor VII.: Papst und Gegenspieler von Kaiser Heinrich IV.; lebte von 1020-1085; stammte aus der Toskana und wurde Mönch in Rom; stieg die kirchliche Karriereleiter rasch hinauf; 1073 zum Papst gewählt; galt als Pragmatiker; von ihm ausgearbeitete Leitsätze besagten, dass der Papst alleine an der Spitze der Kirche stehe und deren Macht noch über der weltlichen anzusetzen sei; Investiturstreit mit Kaiser Heinrich IV.; Gang nach Canossa.

Gregor XII.: Papst; hieß eigentlich Angelo Correr; lebte von 1335-1417; Papst während des Abendländischen Schismas aus dem urbanistischen Lager; hatte dieses Amt von 1406-1415 inne; trat freiwillig am Konzil von Konstanz als Papst zurück und wurde Bischof in Macerata.

Guido von Arezzo: lebte ca. von 992-1050; war ein Benediktinermönch; verfasste ein wichtiges musiktheoretisches Werk „Micrologus de disciplina artis musicae“; seine wichtigsten Entdeckungen sind die Notation auf 4 Linien; die Tonskala sowie das Hexachordsystem (sechsstufige Tonleiter)

H

Harald I. Gormson (Harald Blauzahn): König von Dänemark und Norwegen; lebte von 910-987; kam entweder 936 oder 958 auf den dänischen Thron; herrschte seit 970 über Norwegen; Überfälle auf die Normandie; Anerkennung des Heiligen Römischen Kaisers im Jahr 948; wurde 960 getauft und gründete mehrere Bistümer auf seinem Reichsgebiet; Verlust von Schleswig an Kaiser Otto II.; unter ihm wurde Dänemark erstmals geeint; Konflikt mit seinem Sohn Sven I. Gabelbart, weil dieser dem alten nordischen Glauben angehörte –> Schlacht im Jahr 986.

Harold II. Godwinson: letzter angelsächsischer König von England; lebte von 1022-1066; Sohn des Earls of Wessex; nahm nach dem Tod seines Vaters 1053 diesen Titel an; wurde von Edward dem Bekenner zu seinem Nachfolger bestimmt; Streit mit Wilhelm von Normandie; wurde während der Schlacht von Hastings 1066 getötet.

Heinrich I. (der Vogler): König der Ostfranken und Sachsen; lebte von ca. 876-936; stammte aus dem Haus der Liudolfinger oder Ottonen; Vater von Otto I. dem Großen; wurde 919 zum König gewählt; Eingliederung von Lothringen in sein Reich; milit. Siege gegen Ungarn und Normannen; Sohn Otto wurde noch zu Lebzeiten als Nachfolger anerkannt.

Heinrich IV.: König und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs; lebte von 1056-1104; wurde bereits als Kind zum König gewählt, seine Mutter Agnes regierte für ihn; Kaiser ab 1084 wandte sich eher den Ministerialen (Trägern von Hofämtern) zu als dem Hochadel; Pläne zur Erweiterung des Reiches auf Kosten der Fürsten; Investiturstreit mit Papst Gregor VII.; Bann durch den Papst; Gang nach Canossa.

J

Jan Hus: böhmischer Prediger und Reformator; lebte von ca. 1369-1415; Gelehrter an der Universität Prag; wandte sich gegen die kirchliche Hierarchie, den Ablasshandel sowie die vorherrschende Moraltheorie der Kirche; stützte sich dabei auf die Lehren von John Wyclif (engl. Kirchenreformator und Philosoph); Hus wurde aufgrund seiner Schriften mehrfach gebannt; wurde auf dem Konzil von Konstanz der Ketzerei beschuldigt und verbrannt; seine Anhänger nennt man Hussiten.

Johannes XXIII.: Gegenpapst; hieß eigentlich Baldassare Cossa; lebte von 1370-1419; Nachfolger von Gegenpapst Alexander V. (Pisa); da seine beiden Gegner nicht abdankten, hatte man nun drei Päpste; rief 1414 das Konzil von Konstanz ein, in Folge dessen er als Papst abgesetzt wurde.

K

Karl der Große: regierte das Frankenreich von 768-814; Sohn von Pippin dem Jüngeren; führte viele Kriege, unter anderem gegen die Sachsen und Langobarden; wurde 800 zum Kaiser gekrönt; Bildungsreformen für die Untertanen à einheitliche Schrift; Ausbau der Stadt Aachen zum Herrschaftssitz

Karl Martell: war von 714-741 Hausmeier im fränkischen Teilreich Austrien; Vater von Pippin dem Jüngeren; Beiname „Martell“ bedeutet „Hammer“; Siege bei Tours und Poitiers über islamische Heere (Eroberung von Spanien durch muslimische Truppen seit 711)

Karolinger: fränkisches Adelsgeschlecht, aus dem die Hausmeier von Austrien stammten; seit Pippin dem Jüngeren Königsgeschlecht im Frankenreich; berühmtester Vertreter war Kaiser Karl der Große; führten Königtum von Gottesgnaden.

Knut I. von Dänemark: legendärer König von Dänemark; lebte im 10. Jhdt.; Existenz ist umstritten, wird aber mittlerweile überwiegend angenommen.

Knut der Große: (dän. Knud the Store): König von Dänemark, Norwegen, Südschweden und England; lebte von ca. 995-1035; aus der Familie der Jellinger; Sohn von Sven Gabelbart; 1013-1016 Eroberung Englands, danach als König in England anerkannt; seit 1019 König von Dänemark; war Stiefvater von Edward dem Bekenner.

L

Leif Erikson: Sohn von Erik dem Roten; lebte von ca. 970-1020; entdeckt auf seinen Fahrten die Küste Nordamerikas und erkundete das Gebiet; seine Taten werden in den sogenannten „Vinland-Sagas“ überliefert

Luxemburger: Adelsgeschlecht; kämpfte im Spätmittelalter mit den Habsburgern und anderen Adelsfamilien um die Macht im Heiligen Römischen Reich; bekanntester Vertreter war Karl IV. (1316-1378)

M

Martin V.: Papst; hieß eigentlich Oddo di Colonna; lebte von 1368-1431; wurde auf dem Konzil von Konstanz als alleiniger Papst (1417-1438) gewählt und beendete so das Abendländische Schisma.

Merowinger: Herrschergeschlecht der Franken von 481-751; regierten aufgrund der Geblütsheiligkeit; letzte Vertreter der Familie saßen nur zum Schein auf dem Thron, die Macht lag bei den Hausmeier

N

Nibelungenlied: entstand um 1200; erzählt vom Schicksal der Nibelungen (Burgunder); die zentrale Figur ist Kriemhild, denn das Werk beschreibt ihr Leben von der Kindheit bis zum Tod; das Epos ist in zwei Teil geteilt: Siegfrieds Tod und Kriemhilds Rache; die Figuren im Epos sind teilweise mit historischen Figuren verknüpft (Kriemhild – Ildico; Etzel – Attila); Rezeption vor allem im 19. und 20. Jahrhundert z.B. „Nibelungentreue

O

Otto I. (der Große): heiliger römischer König und Kaiser; lebte von 912-973; Sohn von Heinrich I.; stammte aus der Familie der Ottonen oder Liudolfinger; nach Antritt der Königswürde 936 mehrere Revolutionen gegen Otto I.; stärkte seine Macht in dem er Bischöfen Grundbesitz und Privilegien gab; Sicherung der Reichsgrenzen; 951 König der Langobarden; Sieg gegen die Ungarn 955 am Lechfeld; 962 Krönung zum Heiligen Römischen Kaiser durch den Papst; schloss für Sohn Otto II. politische Ehe mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu; Grab in Madgeburg.

Ottonen: dt. Adelsfamilie; auch Liudolfinger nach ihrem Stammvater Graf Liudolf genannt; stammten ursprünglich aus Sachsen; ab Mitte des 9. Jahrhundert Aufstieg der Familie; bekanntester Vertreter war Otto I. der Große (912-973)

P

Parzivalslied: Werk des Dichter Wolfram von Eschenbach aus dem Hochmittelalter; Zentralthema des Liedes ist die Verbindung von weltlichen Werten und religiösen christlichen Forderungen; Parzival wächst bei seiner Mutter im Wald auf, verlässt diese um ein Ritter zu werden, er kommt an König Artus Hof und macht sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral; Parzival wird das 1. Mal aus der Gralsburg vertrieben, weil er kein Mitleid gezeigt hat, später erhält er nochmal die Möglichkeit und besteht die Prüfung, er wird Gralskönig

R

Reconquista: übers. „Rückeroberung“; dauerte von 1031-1260; Iberische Halbinsel sollte von den Christen wieder zurückerobert werden; 1085 wird Toledo durch Rodrigo Diaz (El Cid) zurückgewonnen; Sieg bei Navas de Tolosa über das Almohaden-Reich; 1236 Eroberung von Cordoba; mit Granada wird 1492 die letzte arabische Herrschaft auf europäischem Boden zurückerobert; Folgen sind die Umsiedlung der verbliebenen muslimischen Bevölkerung in eigene Stadtteile, „Alhambra-Edikt“ Anfang der Judenverfolgung im Zug der Inquistion; Besiedlung von christlicher Bevölkerung wird vorangetrieben, hoher Einfluss der Franziskaner und Dominikaner und Zunahme der Sklaverei.

Rudolf II.: Herzog von Burgund und König von Italien; lebte von ca. 880-937; stammte aus der Familie der Rudolfinger einem Zweig des Adelsgeschlechts der Welfen; durch den Sieg über Berengar I. von Friaul wurde Rudolf II. König von Italien.

S

Salier: Adelsgeschlecht; stammte ursprünglich aus dem Raum um den Fluss Mosel; Familie gehörte bereits zur Zeit Karl Martells zur Führungsschicht; Name „Salier“ ab dem 12. Jhdt. geläufig; stellten in der Zeit von 1024-1137 die römischen Könige und Kaiser; berühmte Vertreter wären Konrad II. oder Heinrich IV.

Sigismund von Luxemburg: König von Ungarn und dem Heiligen Römischen Reich; lebte von 1368-1437; war bis 1388 der Kurfürst von Brandenburg bevor er zum ungarischen König aufstieg; wurde 1410 neben dem bereits amtierenden König Wenzel zum Herrscher über das Heilige Römische Reich gewählt; seit 1419 dann auch König von Böhmen; auf sein Betreiben wurde das Konzil von Konstanz eingerufen.

Snorra-Edda: auch Prosa-Edda oder Jüngere Edda genannt; ist von der Älteren Edda (Lieder-Edda) zu trennen; um 1220 von dem isländischen Goden Snorri Sturluson verfasst; beinhaltet zwei allg. Kapitel über die Dichtkunst, König Gylfis Täuschung (Gylfaginning) und die Sprache der Dichtkunst (Skáldskaparmál); ist als Lehrwerk für junge Dichter (Skalden) gedacht; weiters wurde hier auch altes Kulturgut bewahrt, denn das Christentum breitete sich immer weiter aus.

Snorri Sturluson: isländ. Dichter und Politiker; lebte von 1179-1241; Verfasser der Snorra-Edda (Prosa-Edda); erhielt eine umfangreiche Ausbildung, auch Lesen und Schreiben; 1202 Gode von Borg; 1206 Übersiedlung nach Reykjaholt und Aufstieg in der Politik; 2x Althing-Sprecher (höchste Position); wurde ermordet.

Staufer: dt. Adelsgeschlecht; aus dem schwäbischen Raum; Aufstieg ab dem 11. Jahrhundert; bekanntester Vertreter war Friedrich I. Barbarossa (1122-1190).

U

Urban VI.: Papst;  hieß eigentlich Bartolomeo Prignano; lebte von 1318-1389; geistliche Karriere; wurde 1378 zum Papst gewählt; Clemens VII. wurde als sein Gegenpapst (Abendländisches Schisma) in Avignon gewählt; Urban VI. Sitz in Rom; hatte Amt bis zu seinem Tod inne.

W

Wilhelm I.: genannt der Eroberer (engl. William the Conquerer, franz. Guillaume le Conquérant); Herzog der Normandie und ab 1066 König von England; lebte von 1027/28-1087; unehelicher Sohn Herzog Roberts I.; sein Vater setzte durch, dass er legitimer Nachfolger wurde; Heirat mit Mathilde von Flandern; hatte zu Anfang seiner Regentschaft einige Krisen zu meistern; erhob Anspruch auf den englischen Thron; Landung in Hastings 1066 und Krönung zu Wilhelm I.; ließ den Tower von London errichten und das „Domesday Book“ (Grundkataster) erstellen.

Z

Jan Želivský: böhmischer Priester und Mitglied der Hussitenbewegung; lebte von ca. 1380-1422; führte die Aufstände der Hussiten, die nach der Hinrichtung von Jan Hus und aufgrund der geplanten Machtübernahme von König Sigismund in Böhmen ausbrachen (Erster Prager Fenstersturz); nach anfänglicher Beliebtheit stieg ihm die Macht zu Kopf; wurde von seinen Gegner hingerichtet.